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Foto: Sascha Wünsch Photography

Reiner Schöne

Lederarmband, lange Haare, lässige Jeans und leichte Bräune. So sehen Abenteurer aus. Reiner Schöne, hochgewachsene 1,94 Meter schlank, jeder Zentimeter kreative Energie. Einer der wenigen deutschen Schauspieler, die es tatsächlich geschafft haben, in Hollywood Karriere zu machen. Der mit Film-Größen wie Clint Eastwood drehte und sich den Traum von der eigenen Ranch in Amerika erfüllte. Sein gutes Aussehen und seine tiefe Stimme stechen noch immer hervor. Filme machen, Songs aufnehmen, Hörbücher vertonen oder Fantasy-Kinder-Bücher schreiben. Der Modus ist immer on. 

 

Zwanzig Jahre ist der attraktive Mime mittlerweile aus den Staaten zurück. Nahtlos schlüpfte er hierzulande in dutzende Film- und Serienrollen. Ganz aktuell begeistert Reiner Schöne in der beliebten ZDF-Herz-Kino-Reihe ‚Ella Schön‘ in einer durchgehenden Hauptrolle ein Millionenpublikum. Erst im Fernsehen, nun in der Mediathek. Seine Verbindung zur US-Traumfabrik hat weiter Bestand. Seit mittlerweile ebenfalls zwei Jahrzehnten leiht der vielbeschäftigte Synchronsprecher namhaften amerikanischen Kollegen seine Stimme. Darunter Willem Dafoe und Mickey Rourke oder Keith Richards als Captain Teague in ‚Pirates oft he Caribbean – Am Ende der Welt‘. Am markantesten klingen wohl Reiner Schönes Synchronisationen von Darth Vader seit ‚Star Wars Episode III‘ oder von Optimus Prime in der ‚Transformers‘-Filmreihe. Logisch, dass ein Abenteurer wie er seit 2008 auch noch der Sprecher der Karl May-Festspiele in Bad Segeberg ist. Nachdem er durch die norddeutsche Prärie 1996 zunächst als Old Death und 2002 dann als Old Firehand geritten ist.

 

Gerade ist Reiner Schöne 80 Jahre alt geworden. Er bezeichnet sich selbst weiterhin als Berufsjugendlicher. Trainiert täglich im Gym. Diese Zahl verdeutlicht auch weniger sein Alter, als den enormen Schatz an gedrehten Filmen, bejubelten Musicals, gespielten Theater-Stücken, aufgenommenen LP´s und gefeierten Band-Aufritten. Eine schier unerschöpfliche Aneinanderreihung von Meilensteinen der Popkultur, der Hippie- sowie Jetzt-Zeit. Ruhig war sein Leben nie. Eher unkonventionell. Geprägt von seinen zahlreichen Leidenschaften: Dem Singen, Schreiben und Spielen.

 

Reiner Schöne wurde am 19. Januar 1942 in Fritzlar geboren. Heimatstadt für ihn ist jedoch die Kulturstadt Weimar. Hier wuchs er auf und absolvierte von 1960 bis 1963 ein Schauspielstudium am Schauspielstudio des Deutschen Nationaltheaters Weimar. Prägende, schöne Jahre. Mit 25 Jahren hat er bereits einen Namen als Schauspieler und Liedermacher. Doch er eckt an, hinterfragt, ihn stört die politische Enge der DDR und er flüchtet 1968 nach einem Berlin-Konzert in den Westen. Eine Entscheidung, die einen kometenhaften Aufstieg und schließlich eine Weltkarriere ermöglicht. Denn nur wenige Monate später sorgt er in der Hauptrolle als charismatischer Hippie-Wortführer Berger in der deutschen Erstaufführung des Broadway-Musicals ‚Hair‘ für bundesweites Aufsehen. Mit Andrew Lloyd Webbers Rockoper ‚Jesus Christ Superstar‘ wird er 1972 erneut überschwänglich gefeiert, selbst zum Superstar seiner Zeit. Das Publikum liegt dem Musical-Darsteller und Sänger Reiner Schöne zu Füßen. Sogar als Hamlet, der Traumrolle aller Theater-Künstler, darf er brillieren.  

 

Die gigantischen Broadway-Musical-Erfolge öffnen Reiner Schöne alle Türen. Auch das US-Filmbusiness will ihn. Die Disney-Abenteuer-Serie ‚Die Rückkehr zur Schatzinsel‘ wird sein Debüt. Erst pendelt er zwischen den Kontinenten, schließlich zieht er 1985 komplett in die Nähe von Los Angeles. In den Staaten dreht er anfänglich mit Hollywoodgrößen wie Lee Van Cleef (‚Sabata kehrt zurück‘, 1971), Clint Eastwood (‚Im Auftrag des Drachen‘, 1974) und ‚ mit Kris Kristofferson (‚Amerika‘, 1987). In den Neunzigern ist sein Heldenlook vermehrt in Sci-Fi und Fantasy-Episoden gefragt. Er dreht ‚Matlock‘ (1990 – 1992), ‚MacGyver‘ (1991), ‚Tarzan‘ (1992), ‚Mord ist ihr Hobby‘ (1993) ‚Mortal Kombat 2‘ (1997), ‚Crash Dive‘ ( 1997), ‚Babylon 5‘ (1998), ‚JAG – Im Auftrag der Ehre‘ (2001) –  und, und, und. Schon 1990 schafft er, was kein anderer deutsche Mime je schaffte: Er spielt in einer Episode der Kultserie ‚Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert‘ mit.

 

Für die deutschen Fernseh- und Kinozuschauer hört er trotz des US-Erfolgs nie auf zu drehen. Ob im Genre Romantik, wie bei ‚Heimatgeschichten – Ihr Geschenk‘ (1996) oder ‚Rosamunde Pilcher - Magie der Liebe‘ (1999), oder im Bereich Krimi, wie in ‚Schrecklicher Verdacht‘ (1995) und ‚Null Uhr 12‘ (2001), oder im Action-Drama ‚Die Todesgrippe von Köln‘ (1999) oder der Kino-Klamotte ‚Otto – Der Katastrofenfilm‘ (2000) – für sein Publikum fliegt Abenteurer Reiner Schöne gern über den Atlantik. Kaum verwunderlich, dass er 1990 die legendäre Fernseh-Show ‚Fort Boyard‘ auf Sat.1 moderierte.

 

Nach 17 Jahren im Land der Traum-Fabrik macht er einen Cut. Im Jahr 2002 zieht Reiner Schöne aus privaten Gründen wieder ganz nach Deutschland zurück. Er agiert weiter vor zahllosen Kameras, performt auf den Brettern die die Welt bedeuten, ist der umjubelte ‚Jedermann‘ in Berlin – als sei er nie weggewesen. Kaum ein TV-Format, wo er seither nicht mitspielte. Doch etwas ist anders. Es gibt eine entscheidende Wende in seinem Leben. In seinem Privatleben. Der smarte Cowboy verliebt sich in eine junge Maskenbildnerin. Altersunterschied 38 Jahre. Hochzeit, zwei zauberhafte Töchter, niedliche Familienhunde und ein Häuschen am grünen Berliner Stadtrand inklusive. Happy End in der dritten Ehe.

 

Was für ein Leben. Voller Energie. Voller Erinnerungen. Letztere müssen natürlich festgehalten werden. 2004 erschien Reiner Schönes erstes Buch ‚Let the sunshine in‘ mit Anekdoten und die CD ‚Schönes Chaos‘, aufgenommen mit seiner neuen Band ‚Reiner Schöne & die Kowboys‘. Dazu tourte er mit dem passenden Live-Programm ‚Songs & Stories‘ durchs Land. Immer im Repertoire der Song ‚Werd ich noch jung sein, wenn ich älter bin‘. Den Text schrieb ihm 1977 Konstantin Wecker nach seiner Idee. Die Single wurde Hit. Einige Jahre zuvor, im Jahr 1970, hatte Reiner Schöne bei der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision de la Chanson mit ‚Allein unter Millionen‘ den zweiten Platz belegt.

 

Zurück ins Hier und Jetzt. Mitten in der Corona-Zeit schrieb Reiner Schöne mit dem Musiker Ecki Hüdepol den Song ‚Die Zeit ist da‘. Ein aufrüttelnder Umwelt-Song, der alle Menschen für einen wertschätzenden Umgang mit unserer Natur anmahnt. Der Vater zweier Mädchen wünscht sich, dass unser Planet für alle nachfolgenden Generationen in seiner ganzen Schönheit erhalten bleibt. Ein All-Age-Fantasy-Abenteuer für Jugendliche und Erwachsene mit begleitender Musik ist ebenfalls entstanden. Es liegt fertiggestellt in seinem Schreibtisch. Obendrauf liegen die ersten fertigen Kapitel seiner Biografie. Wenn er nicht gerade mit großer Spielfreude und Leidenschaft vor der Kamera oder im Synchronstudio steht, notiert Reiner Schöne seine gelebten kleinen wie großen Abenteuer.